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NEW MODEL ARMY
POul gernes & robert orchardson

20.06.-01.08.09


Poster 'NMA', Poul Gernes & Robert Orchardson

The exhibition 'New Model Army' at Ben Kaufmann Gallery presents two positions which not only feature model attributes in their material instability, open construction and architectural references, but also serve a template function extending beyond any merely phenomenological ‚model character’. They hence allow us to re-evaluate the connections between model, sculpture and artwork, as well as providing an unusual insight into the relationships linking the model, the subject and the world.

Mit der Ausstellung 'New Model Army' prAEsentiert die Galerie Ben Kaufmann zwei Positionen, die nicht nur aufgrund ihrer materiellen Instabilitaet, offenen Konstruktion und Architekturbezogenheit wesentlich Modellcharakter aufweisen, sondern auch über eine phaenomenologische 'Modellhaftigkeit' hinaus Modellfunktion erfuellen. Sie ermoeglichen so eine Neubewertung des Verhaeltnisses von Modell, Skulptur und Kunstwerk und eröffnen einen ungewoehnlichen Blick auf die Beziehung zwischen Modell, erkennendem Subjekt und Welt.



Installation View 'New Model Army', Galerie Ben Kaufmann, 2009

Poul Gernes’ Paper Flower has been reconstructed for this Ben Kaufmann Gallery show for the very first time since the original 1977 installation. Concentrically suspended paper sheets form a tent-like space, at the centre of which they converge and terminate in a shape resembling a blossom. The architectural scale model is here inverted and expanded: the gallery space as defined by massive walls is reinterpreted as an almost floating expanse through the lightweight material. Rather than reducing it, the model enlarges the scale, so that the viewer is not placed above it in a controlling and observing fashion, but becomes part of it instead. With this flower design Gernes returns to a motif he frequently used in his painterly ornamentation of buildings, particularly from the 70s onwards, once he had radically renounced the production of art objects as potential goods.
In Paper Flower the two-dimensional blossom structure is transformed into an ornamental space that is as defined by seriality, stylization, symmetry and a lack of narrative as these two-dimensional ornaments. But the attribute Paper Flower first and foremost has in common with the ornaments is the connection created between a pictorial and a non-pictorial reality, as a creative intervention in the world. Paper Flower hence also functions as a model for directly linking the artwork, the recipient and the world, a model which renders the vision of an egalitarian art superseding the production of mere goods projectable, creating its own reality in the process.

Poul Gernes’ Paper flower wird erstmals seit der Installation 1977 für die Ausstellung in der Galerie Ben Kaufmann rekonstruiert. Konzentrisch aufgehaengte Papierbahnen formen einen zeltartigen Raum in dessen Mitte sie sich zu einer bluetenartigen Form buendeln und auslaufen. Das Skalenmodell der Architektur wird hier umgekehrt und erweitert: der durch massive Waende definierte Galerieraum wird durch das leichte Material zu einem fast schwebenden Raum umgedeutet. Statt zu verkleinern vergroeßert das Modell den Maßstab, so dass der Betrachter nicht kontrollierend oder beobachtend über dem Modell steht sondern Teil von ihm wird. Mit dem Blumenmotiv greift Gernes auf ein Motiv zurueck, das er besonders ab den 70er Jahren häufig bei der malerischen Gestaltung von Gebaeuden einsetzte, nachdem er der Produktion von Kunstobjekten als potentiellen Waren radikal abgeschworen hatte. Das eigentlich flaechige Blumenornament wandelt sich in Paper flower zu einem ornamentalen Raum, der ebenso wie zweidimensionale Ornamente durch Serialitaet, Stilisierung, Symmetrie und fehlende Narrativitaet definiert ist. Vor allem aber teilt Paper flower mit dem Ornament das Merkmal, bildliche mit nicht-bildlicher Wirklichkeit zu verbinden, um so gestaltend in die Welt einzugreifen. Paper flower fungiert so auch als Modell einer unmittelbaren Verbindung von Kunst, Rezipient und Welt, das die Vision einer Wirklichkeit-gestaltenden, ueber die Produktion von Waren hinausgehenden, egalitaeren Kunst projizierbar macht.


Installation View 'New Model Army', Galerie Ben Kaufmann, 2009
Robert Orchardson 'The future is certain, give us time to work it out', 2009, 275x310x92 cm, all-Alluminium

ROBERT ORCHARDSONS SKULPTUR THE FUTURE IS CERTAIN, GIVE US TIME TO WORK IT OUT (2009) STRAHLT DURCH IHRE LEICHTE MATERIALITAET EINERSEITS UND STRENGE KONSTRUKTION ANDERSEITS DEN CHARAKTER EINES TECHNISCHEN PROTOTYPS ODER FUTURISTISCHEN MODELLS AUS. DAS RASTER AUS DREIECKIGEN ALUMINIUMLAMELLEN RAGT SPITZ IN DEN RAUM UND ERSCHEINT DURCH DIE SCHILLERNDE LICHTREFLEXION DER ALUMINIUMFLÄCHEN FAST KÖRPERLOS. DAS KLARE DESIGN HAT SICH VOLLSTAENDIG VON EINEM FUNKTIONALEN OBJEKT GELOEST, ALS HÄTTE MAN DIE FORMELEMENTE WIE EINE HAUT VON IHRER FUNKTION ABGEZOGEN.
IN EINER SERIE VON PAPIERARBEITEN HAT ORCHARDSON NATURFOTOGRAFIEN AUS DEM MAGAZIN NATIONAL GEOGRAPHIC MIT GESCHLOSSENEN GEOMETRISCHEN FORMEN ODER FILIGRANEN LINIEN UEBERDRUCKT. WIE AUCH DIE SKULPTUR SIND DIE FOTOUEBERARBEITUNGEN INSPIRIERT VON IMAGINAERER, HYPOTHETISCHER ARCHITEKTUR WIE DEN DYSTOPIEN DER ARCHITEKTENGRUPPE SUPERSTUDIO. TEILWEISE RAGEN DIE SCHWARZEN GEOMETRISCHEN ELEMENTE WIE GIGANTISCHE MONUMENTE IN DIE NATUR, DIE SIE IN IHRER GROESSE ZU RAHMEN SCHEINEN.
DIE SKULPTUR MODEL OF A FACADE (2007) KOMPRIMIERT AVANTGARDISTISCHE ARCHITEKTURKONZEPTE IN EINER FORMAL-RHYTHMISCHEN STRUKTUR. URSPRUENGLICH ENTWURF FÜR EINEN TEIL DER INSTALLATION MELNIKOV LOTET SIE AUTONOMIE UND STATUS DES KUNSTMODELLS AUS.
ALS MODELL FUNKTIONIEREN ORCHARDSONS ARBEITEN DURCH REDUKTION: FORMELEMENTE DES MODERNISMUS, AUS SCIENCE-FICTION SZENARIEN ODER DEM INDUSTRIEDESIGN WERDEN ISOLIERT UND ABSTRAHIERT, BIS SIE ZU PROTOTYPEN EINER HYPERREALITAET FUNKTIONSLOSER GEGENSTÄNDE MUTIEREN. DIE GEGENSTAENDE MUESSTEN AUFGRUND IHRER EINFACHEN GEOMETRISCHEN GESTALT LEICHT FASSBAR SEIN, ENTZIEHEN SICH ABER LETZTLICH EINER KLAREN BESTIMMUNG. DER HYPERREALE ZIELBEREICH, AUF DEN SIE WEISEN, DIENT NICHT ALS VORBILD FUER EINE NOCH ZU REALISIERENDE ZUKUNFT SONDERN ERWEITERT VIELMEHR DURCH RUECKPROJEKTION DAS VERSTEHEN SEINER FORMALEN UND KONZEPTUELLEN URSPRUENGE.

TEXT BY HENRI DIETZ




 



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